Mittwoch, 1. August 2007

Katerchen "Socke" hat einen Traum

Am Abend durfte Socke in die Nachbarwohnung. Oma hat ihn schon erwartet. Nachdem die beiden miteinander getobt haben, ruht Socke sich aus und Oma kocht sich Essen. Es duftet verführerisch, aber Kater kriegen nix aus Menschentöpfen, das weiß Socke schon. Oma sitzt mit ihm auf der Couch und sieht sich eine gaaaaanz wichtige Serie im Fernsehen an (eine von der Sorte, wo man immer gucken muß, sonst weiß man nicht, wer wen wann nicht kriegt). Als der kleine Spitzbube sieht, wie gebannt Oma in die Fernsehröhre guckt, macht er sich genüßlich über das Abendessen her, das verführerisch vor ihm auf dem Couchtisch steht. Und weil er ein braver Kater ist, schleckt er den Teller auch ganz sauber, so wie man ihn dann halt blitzblank aufräumen kann. Ich weiß nicht, ob Oma an diesem Abend mit knurrendem Magen in ihr Bett gegangen ist, ich weiß nur, daß Socke anschließend in seinem Bettchen einen wunderschönen Traum mit seinem dicken, vollen Bäuchlein hatte...........!!!

Socke schläft tief und fest. Er fängt zu träumen an, und sieht wie es endlich mit den Arbeiten im Garten weitergeht. Es muß aufregend sein, was Socke so im Traum sieht, denn ab und zu zuckt das rosige Näschen, oder eines der Öhrchen verändert seine Position. Als das Katerchen aufwacht, nimmt er sich kaum Zeit für seine Mahlzeit, er muß hinaus in den Garten und seinen Traum suchen.
Vor einigen Tagen hat Socke eine Meise beobachtet, die hat dieses komische Zwergenhaus auch als Ausguck genutzt. Gewitzt wie er ist, ahmt er das sofort nach und merkt bei dieser Gelegenheit, daß er im Gegensatz zu dieser Meise nicht fliegen kann. "Steig ich halt hoch, wenn kein Aufzug da ist", denkt er und legt sich in das Vogelhäuschen. Aber nichts geschieht, nichts zu sehen, nichts zu hören, rein nichts, wie ätzend.

Langsam wird Socke ungeduldig, wo soll er noch überall nach der Erfüllung seines Traumes suchen? Er kraxelt in die Hängeweide, blöde Idee, findet er, da hängen einem ja dauernd Blätter vor der Nase. Doch dann passiert es plötzlich. Durch die Hecke sieht Socke eine große silbrige Fläche und weiße große Punkte außerhalb des Gartens. Zum Teufel, w a s i s t d a s ???

Jetzt wird es ernst, Socke hat beschlossen, er muß den Garten verlassen und nachsehen, was da draußen los ist. Und wenn Socke einmal etwas beschlossen hat, dann wird das auch sofort in die Tat umgesetzt, meistens von einem uneinsichtigen Seufzer seiner Menschen begleitet. Vorsichtig linst der Kater um die Ecke, es scheint alles sicher zu sein und die Gartentür wird brav von Sockes Portier geöffnet. Die Exkursion kann starten.

Ja, was ist das denn eigenartiges? Sowas hat Socke noch nie gesehen. Zwei Parkplätze vor dem Garteneingang sind mit Folie ausgelegt und darauf liegen kopfüber so komische weiße Teile. Viel wiegen sie nicht, denn als der Kleine so ein Ding untersuchen will, ist es auch schon weggerutscht. Vielleicht sollte man einfach mal daraufspringen!?

Holla, das ist ja praktisch, da hat man ja den totalen Überblick. Socke ist das erste Mal außerhalb seines Gartens. Manno, ist das spannend. Das sind ja völlig andere Aussichten. Und ganz neue Geräusche lernt das Katerchen kennen. Ein bißchen plümerant wird ihm dabei schon. Aber der Dosenöffner, der ja immer in seiner Nähe ist, erklärt dem leicht besorgten Socke, daß jetzt der Laster mit dem Kies für seinen Steingarten käme.

Also, so sieht ein Lastauto aus! Schwupps, hat es auch schon den Kies auf die vorbereitete Plastikfolie entladen. Da liegt er nun der Haufen Betonkies, mit der 0/16 Körnung. Daneben warten schon große Kübel und Schaufeln, um das ganze in den Garten von Socke zu transportieren.

Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste! Socke hat bestimmt nie von den Abenteuern Winnetous und Old Shatterhands gelesen, aber er liegt ganz profimäßig zwischen abgeschnittenen Zweigen und begutachtet mißtraurisch, wie sechs Zweibeiner mit großen Malerkübeln den Kies auf der ausgeschachteten Stelle im Garten verteilen. Als die Arbeit beendet ist, und alle potentiellen Dosenöffner auf der Terrasse ihr Bier oder Limo genießen, wird Socke aktiv.

Ganz vorsichtig beginnt eine erste Inspektion des fertig angehäuften Kieses. Da gibt es viel bergauf und bergab, Krater, Senken, Nasen, Mulden. Das Wurzerl hat erst grob die Formen mit dem Rechen modelliert. Fertig will sie es erst machen, wenn von einem besonderen Steinbruch die verschiedenfarbigen Quarze, Sandsteine, Granite und Konglomerate geholt und plaziert werden. Dann wollte sie auch noch über einen kleinen "Alpsee" oder ein zwergiges Hochmoor nachdenken. Dann wäre Sockes Traum ja schon ein ganzes Stück in Erfüllung gegangen.
Stolz blickt Socke über seinen großen Steinhaufen. So ganz schlüssig ist er sich ja noch nicht, ob das nur ein Ausguck, ein zusätzliches Katzenklo, oder gar eine Abenteuer-Rutsche für ihn wird. Klar ist jedenfalls, es war ein verdammt spannender Nachmittag. Und eines steht schon unumstößlich fest, egal was es letztlich wird, es wird seines, denn das hat er geträumt.

Kommentare:

HaBseligkeiten hat gesagt…

Eine wunderschöne Geschichte und bin schon wie Katerchen Socke gespannt wie es weitergeht.....Steingärten faszinieren mich!
Liebe Grüße Heidi

SchneiderHein hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
SchneiderHein hat gesagt…

Auf den Steingarten bin ich auch schon gespannt!
Aber ersteinmal freue ich mich über das Foto von Socke im Vogelhaus. Vor fast 13 Jahren ist bei uns ein ähnliches Bild entstanden: Nur unser kleiner Kater kletterte mit hellblauem Katzengeschirr am Baum hoch, um aufs Dach des Vogelhauses zu steigen und dann den Ausblick zu genießen.
Kleine Katzen sind herrlich, aber an der Leine auch etwas stressig. Ich bin froh, dass unsere Maus&Allegra nach dem Ende ihres ersten Sommers ohne Leine in den Garten konnten. Mit 2 Katzen waren Verwicklungen vorprogrammiert.
Wünsche Dir einen schönen und sonnigen Tag
LG Silke

Lis hat gesagt…

Dein Schreibstil ist einfach göttlich und über Sockes Geschichte hab ich mich besonders amüsiert! :-)) Wie er da aus dem Vogelhäuschen schaut, einfach zum knuddeln!

Der Garten hat gesagt…

Übrigens danke für den Hinweis zum "Streublümchen" - dann heißt es wohl Berufskraut-Erigeron annua. Wir hatten es vor vielen Jahren geschenkt bekommen und nie war es mir in meinen Pflanzenbüchern aufgefallen. "Annua" wird bei Botanica und Dumont Pflanzen von A-Z auch gar nicht erwähnt.
Aber man lernt ja nie aus.

Der Garten hat gesagt…

Und bei Dir auf dem Blog hatte ich in dem Moment nur Augen für Deine Trichterwinde!

Naturwanderer hat gesagt…

Also, ich bin total begeistert, so eine süße Katergeschichte kann nur jemand schreiben, der Katzen liebt :-)
Lieber Gruß
von Edith

Birgit hat gesagt…

Liebe Wurzerl, herrlich Klein-Sockes Geschichte! Habe eben erstmal Dein ganzes Blog durchforstet. Habe vieeel verpasst in ein bis zwei Wochen. Habe wunderschöne Bilder bestaunen können aus Deinem Garten, von den Blüten und Gartentieren. Du schreibst ja wirklich täglich Dein Tagebuch. Da komme ich natürlich nicht mit. Herzlichen Glückwunsch noch zum 1-Monatigem Blog-Jubi. Macht jede Menge Spaß, Dein Blog zu besuchen.
LG Birgit

Miyelo hat gesagt…

Das ist ja der reinste Fotoroman ( wo man nie weiß, wer wen wann kriegt *gg*) Wunderschöne Fotos und toll geschrieben.
Herzliche Grüße von Miyelo
Janie & Garfield

Margit hat gesagt…

Bin gestern über deinen Blog "gestolpert" und hängen geblieben. Ich bin hellauf begeistert von deinem Schreibstil - und natürlich von Kater Socke. Bei Lesen der Geschichte saß ich die ganze Zeit mit beinem breiten Grinsen im Gesicht vor dem Bildschirm, da kommt frau sich dann schon ein wenig komisch vor ;)
Liebe Grüße
Margit

Andrea's Garden hat gesagt…

Das hast du ja schön geschrieben. Die Spaziergänge erinnern mich an unsere mit Stella, die jetzt sogar noch ihr Geschirrchen aus dem Korb holt abends, weil sie nimmer raus darf alleine. Sogar das würd sie machen, wenn's nur raus geht. Kleine Katzen machen einfach Spass und Katzen und Garten gehören zusammen. LG Andrea

Margrit hat gesagt…

Ist der süüüüüüüüüüß. Und die Geschichte ist ihm auf den Leib geschneidert.
LG
Margrit