Dienstag, 8. August 2017

BOTANISCHER GARTEN IN FRANKFURT AM MAIN!

Heute muss ich meiner Freude Ausdruck verleihen, dass es manchmal auch ein Happy End gibt. Letztes Jahr wurde der Botanische Garten in Saarbrücken geschlossen, weil die Universität ihn nicht länger finanzieren wollte und die Stadt ihn nicht übernommen hat. Ganz anders endete eine ähnliche Situation von der der Botanische Garten in Frankfurt am Main betroffen war. Die Universität dort hat ihn in gutem Zustand der Stadt übergeben, die nun die nötigen Gelder zum Erhalt und zur Weiterentwicklung zur Verfügung stellt und der Garten ist nun eine wunderbare (nahe gelegene) Ergänzung des Palmengartens. Ich möchte Euch zu einem kleinen Rundgang einladen.


Empfangen wird man vom Urweltmammutbaum (Metasequoia glyptostroboides), der 1950 als Steckling in den Botanischen Garten kam und aktuell mit 5.40 m Stammumfang in Brusthöhe der Rekord-Baum in Deutschland ist!


Schön ist der großzügige Teichbereich.


Die weiße Seerose, Nymphea alba, leuchtet aus dem Wasser. 


In Frankfurt gibt es nicht nur die "grüne Sauce", nein auch die Wasseroberfläche ist grün, kein Platz für ein Spiegelbild des blauen Himmels.


Im Aussenbereich gibt es viele Vertreter des nordamerikanischen Kontinents. Ich zeige Euch eine Staude, die Echinacea purpurea und darunter...



Myrica pennsylvanica, den Pennsilvanischen Gagelstrauch.


In einem eigenen Bereich werden Neophyten gezeigt, viele davon wie die Herkulesstaude sind in Betonringen "eingekerkert". Das braucht Solidago gigantea, die Riesen-Goldrute nicht gerade, aber invasiv ist sie auch. Als Neophyten gelten Pflanzen, die sich in Deutschland ab 1500 n.Chr. eingebürgert haben.


Im "Neuen Senckenbergischen Arzneipflanzengarten der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt/Main" sind die Pflanzen besonders gut zu betrachten, sie wachsen, wie  Cynara scolymus L., die Artischocke, auf Hochbeeten. 



Eine kleine Sektion widmet sich winterharten Exoten aus Amerika, hier ist Opuntia polyacantha var. hystericina zu sehen. 


Bunte Farbtupfer bringt Callirhoe involucrata in das Beet.


Dann öffnet sich der Blick in ein völlig anderes Habitat, wir sind im Alpinum angekommen.



Dort ist schon etwas Ruhe eingekehrt, alpine Pflanzen haben nur einen sehr kurzen Wachstums-Zyklus, aber die leuchtende Carlina acaulis L. subsp.simplex, die Krausblättrige Silberdistel ist noch sehr ansehnlich. 


Amüsiert habe ich mich über die "Wurzerln", die kleinen Rosetten des Sempervivums scheinen direkt aus der Felsspalte herauszuquellen. 


Hinter dem Alpinum schließt sich der Kiefernwald an. 


Gut gefallen hat mir die "Atlantische Zwergstrauchheide", ein ruhiges und harmonisches Habitat. 


Aber ich gestehe, die Sandsteppe hat mich als Oberbayer (sowas haben wir hier nicht) noch mehr fasziniert. 


Sehr interessant fand ich den Blick über die Frischwiese und den Baumbereich hinweg zur Teilsilhouette Frankfurts. So versteht man auch im Botanischen Garten, wenn die Stadt scherzhaft "Mainhattan" genannt wird. 



Bevor es in das nächste Wald-Habitat geht, schweift der Blick über die Feuchtwiese.


Im Eichen-Hainbuchen-Mischwald ist es wieder etwas schattiger. 


Nur die Farne spielen mit den verirrten Sonnenstrahlen, die durch das Laub tanzen.



Tja, und wer von Euch wissen will, was es mit diesem Holzturm auf sich hat, den bitte ich, doch mal nach dem Begriff "Zeidler-Imkerei" zu googeln. Denn ich habe jetzt Feierabend. Es war doch ein ziemlicher Fußmarsch durch diesen schönen Botanischen Garten. Ich wünsche Euch noch einen schönen August!

Freitag, 7. Juli 2017

HOCHFELLN - IMPRESSIONEN DER ALPENFLORA ANFANG JULI - MOUNTAIN 'S FLOWERS

Seit einem Jahr existiert in der GdS (Gesellschaft der Staudenfreunde) die Fachgruppe Aquilegia & Thalictrum, deren Leitung ich übernommen habe. Ende Juni hatten wir unser erstes Treffen am Chiemsee. Für den Sonntag war eine Wanderung auf dem Hochfelln geplant, mit evtl. teilweisem Abstieg. Leider war das Wetter so ungünstig, dass wir umdisponieren mussten. Um meiner Fachgruppe und allen Interessierten zu zeigen, was wir hätten sehen können, bin ich eine Woche später auf den Berg gefahren und habe die folgenden Fotos für Euch gemacht.


Der Hochfelln  ist ein Berg in den Chiemgauer Alpen und liegt mit 1674 m Höhe bei Bergen im Landkreis Traunstein. Eigentlich sollte man vom Gipfel einen schönen Fernblick auf den Großglockner und den Großvenediger haben. Nun ja, Ihr seht es ja... also konzentrierte ich mich gleich auf die vorhandene Flora. 


Adenostyles alliariae der filzige Alpendost grüßte schon von weitem.


 Silene vulgaris, das Taubenkropf-Leimkraut und Valeriana montana der Berg-Baldrian


Anthyllis vulneraria ssp alpestris, der echte Wundklee und  Centaurea montana L., die Bergflockenblume,


Anemone narcissiflora L.,  das Narzissenblütiges Windröschen


Carduus defloratus L., die Alpendistel ist auch beim Aufblühen sehr attraktiv.


Allium victorialis L., der Allermannsharnisch


Ich musste schon etwas grübeln, wem ich diese "Swarovski-Perücken" zuordnen könnte, aber ein Spätzünder verriet es mir dann, ich hatte Geum rivale, die Bachnelkenwurz entdeckt. 


Trollius europaeus L., die Trollblume


Traunsteinera globosa, die Rosa Kugelorchis zeige ich stellvertretend für die Orchideen.


Phyteuma spicatum, die Ährige Teufelskralle


Natürlich gab es auch eine Menge Insekten zu sehen. Fotografiert habe ich diesen Mohrenfalter, ich kannte ihn bisher nur aus Fachliteratur. Gerne hätte ich auch meine Erstbegegnung mit einem glänzenden kohlrabenschwarzen Alpensalamander (Salamandra atra) im Bild festgehalten, aber er verschwand zu schnell in seiner kühlen Höhle. 


Veronica urticifolia, der Nesselblättrige Ehrenpreis


Pimpinella major, die Große Bibernelle und Phyteuma hemisphaericum L., die Halbkugelige Teufelskralle


Geranium sylvaticum, der Wald-Storchschnabel


Ranunculus platanifolius, der Platanenblättrige Hahnenfuß


Lotus alpinus, der Alpen-Hornklee


Cirsium eriophorum L., die Wollige Kratzdistel


Phyteuma orbiculare, die Kugelige Teufelskralle


Natürlich gab es auf dem Gipfel-Rundweg auch Gehölze zu sehen. Neben Rosa pendulina der Alpen-Rose und Nadelgehölzen, oben vorwiegend Krüppelkiefern, fand sich auch der im Foto gezeigte  Rhododendron hirsutum L.,  die Bewimperte Alpenrose.


In Salix alpina, der Alpen-Weide, wollte sich wohl Aconitum lycoctonum L., der Hahnenfußblättrige Eisenhut, vor mir verstecken, ich fand ihn trotzdem - Ihr auch?


In den steinigeren, trockeneren Bereichen fand ich die nächstfolgenden Pflanzen, wie Alcinos alpinus, den Alpen-Steinquendel.


Androsace lactea, der Milchweiße Mannsschild


Asplenium viride, der grünstielige Streifenfarn


Campanula scheuchzeri Vill., Scheuchzers Glockenblume


Galium cespitosum, das Labkraut


Hieracium villosum, das Zottige Habichtskraut


Thymus praecox, der Langhaarige Thymian und  Phyteuma orbiculare, die Kugelige Teufelskralle, in der Mitte Lotus alpinus, der Alpen-Hornklee


Helianthemum nummularium (L.) Miller, das Gewöhnliche Sonnenröschen


Und dann war es endlich soweit, auf den letzten Metern des Gipfel-Rundweges, der mit 30 Minuten angegeben war - für den ich 2 1/2 Stunden brauchte - warum habt Ihr ja an den Fotos gesehen, endlich stand ich vor Aquilegia atrata, der dunklen Akelei. Da ich auf der Bergseite stand drehte sie mir einfach den Rücken zu. Macht nix, als Gruß an meine Fachgruppen- und Blogfreunde ist sie auch von hinten akzeptabel!


...und noch eine Überraschung, während ich die letzten Stunden mit der Nase hauptsächlich am Boden zugange war, hatten die Gewitterwolken vom Vormittag (siehe oben 1. Bild) aufgerissen und bescherten mir noch einen passablen Panoramablick.