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Donnerstag, 2. August 2007

Die "schwarze" und die "grüne" Rose


Bei einem Besuch im Rosarium Sangerhausen habe ich mich verliebt. Da stand eine Rose zwischen tausenden anderer und ich las das Schild, das sie vorstellte als: 'Schwärzeste Rose der Welt'. Vom deutschen Züchter Max Krause wurde sie 1933 vorgestellt und mit dem Vermerk 'wenig wüchsig und krankheitsanfällig ' von der Fachliteratur bedacht, in den Handel geschickt. Tatsächlich ist sie nicht leicht zu vermehren und es gelang mir nicht, sie sortenrein zu erwerben.

Jahre vergingen, in meiner Phantasie wurde die schwarze Rose immer stattlicher und schwärzer. Und wie Verliebte so sind, sie beschäftigte mich ganz schön. Eines Tages erhielt ich von einem Gartenfreund ein Geschenkpaket. Ich traute meinen Augen nicht, da waren zwei Rosen, wurzelnackt, die dringend Ende Oktober in die Erde wollten. Die erste, die ich aus den feuchten Tüchern wickelte, war die R."Nigrette". Ich war sprachlos - und das will etwas heißen.

Die zweite Rose trug ebenfalls ein vielversprechendes Schildchen: Rosa chinensis "Viridiflora" stand da zu lesen. Das war also die berühmte grüne Rose, die den ganzen Sommer über hellgrüne Blütenblätter tragen würde. Entstanden war diese Farbvariante durch die Rückbildung von Blüten- und Staubblättern zu Laubblättern. Durch eine Laune der Natur, aus einer chinesischen Rose hervorgegangen, wurde sie 1856 von einer englischen Baumschule in den Handel gebracht.

Ich konnte mein Glück kaum fassen. Was hatte ich da für Rosen geschenkt bekommen?! Es war kalt und ungemütlich an diesem 29.10.2006, aber die beiden mußten in die Erde. Da half alles nichts. Ich sondierte die sonnigsten und wärmsten Stellen meines Gartens. Im Irisbeet wurden die beiden dann gepflanzt, getrennt von einer rosafarbenen, englischen Rose.

Bereits Ende März wurde die Anhäufelung entfernt und eine Gabe Hühnermist gegeben. Die beiden Pflanzen entwickelten sich prächtig und bereits Ende April(!) dank diesem ungewöhnlich warmen Wetter und dem milden Winter sah ich die ersten Knospen bei beiden Rosenstöcken. Ich mußte mich dann schon noch bis weit in den Mai hinein gedulden.

Als erste blühte die grüne Rose auf. Genau so hatte ich sie in Sangerhausen gesehen. Dann folgte "meine" schwarze Rose. Natürlich ist sie nicht schwarz, sie ist rot, vielleicht die dunkelste Rote, ja also die Knospe, da kann man auch schon von schwarz reden, ehrlich. Aber sie war keinesfalls so schwarz und schon gar nicht so stattlich, wie sie in meiner Vorstellung im Laufe der Jahre geworden war.
Wenn ich ganz aufrichtig bin, sie ist etwas klein geraten, fast bescheiden.

Und da machte es bei mir click. Das war es, was diese beiden Rosen auszeichnete, was mich faszinierte. Es war diese ursprüngliche Ausstrahlung die sie auf mich ausübten. So stellte ich mir die "Ur-Rose" vor, ehe sie Züchter in die Hand bekommen hatten, um Fülle, Größe, Farbe und Duft in sie hineinzuprojezieren. Jedenfalls sie blühen beide eifrig, die grüne durchgehend, die schwarze mit einer kleinen Blühpause Ende Juni. Und meine Verliebtheit in eine Rose hat ein Happy-End gefunden.