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Mittwoch, 5. August 2015

DER JULI IST DER TAGLILIENMONAT! HEMEROCALLIS IN JULY!

Hemerocallis nennen wir sicher darum Taglilien, weil jede Blüte sich nur für einen Tag öffnet. Das geschieht bevorzugt  im Juli, wenn die Tage lange sind und es richtig warm ist - dann blühen diese herrlichen Tagsterne auf um sich zu sonnen! 

Mitte Juli lud Gerd Oellermann alle Hemerocallis-Fans nach Ulm ein. Zuerst gab es einen kleinen Rundgang durch seinen eigenen privaten Mähringer Tagliliengarten.
 Hemerocallis 'Edelgard' (Beer 2010)


Begeistert schauten wir uns im Hausgarten um, wo in einigen hundert Töpfen die Sämlinge aufgereiht waren. Wir durften sogar zehn Wollfäden an  zehn bevorzugten Taglilien anbringen, die wir für vermehrungswürdig hielten. Was für eine ehrenvolle Aufgabe!


 


Hemerocallis 'Ansgar' (Zipf ca.1987 nicht reg.)



Nach den Sämlingen besuchten wir die älteren Züchtungen, die farblich sortiert nicht weit vom Hausgarten entfernt blühten. Insgesamt sammelte Gerd Oellermann hier über 1200 verschiedene alte und neue Tagliliensorten. 

 Hemerocallis 'Johnny Bear' (Hansen 2009)

Unser Gastgeber hatte sich die Mühe gemacht, den Weg zum Garten mit einem langen Pfeil aus den Blüten des Vortages zu markieren, zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass ich noch am gleichen Abend dasselbe an gleicher Stelle tun würde. Damit die Pflanzen auch für die Sonntagsveranstaltung am nächsten Morgen schön und frisch geputzt aussahen, war es nötig am Abend alle diese herrlichen Blüten zu entfernen, die ich noch kurz zuvor begeistert fotografiert hatte. 

 Hemerocallis 'Halloween Kisses' (Harry 2010) 

Schaut nur, wie gierig sich die Blüten in ihrem kurzen Leben in den Himmel strecken! 

Hemerocallis 'Rotes Rathaus' (Tamberg 1994), eine besonders beliebte Sorte in   unserer Besuchergruppe.

Unbeeindruckt von unseren Entzückungsrufen führte der Blütenstand von Yucca filamentosa das Taglilien-Regiment an.

 Hemerocallis ‚Muffet‘s Little Friend‘ 
(Dickerson 1990)
ein charmanter Spider

Eine Übersicht der Namen bekam man durch Pflanzschilder. 

 Hemerocallis 'Upgrade (Gossard 2007)'

Am späten Vormittag fuhren wir dann zum Botanischen Garten Ulm, zu den wunderschönen Taglilien-Schaubeeten. Gerd fand den einzigen Schattenplatz auf dem Hinweg und erzählte uns dort so einiges über Züchtung, Pflege und anderes wissenswertes über die Hemerocallis.

Coreopsis verticillata 'Zagreb' im Gespräch mit einer     Ballonblume.


Auch hier war natürlich die Taglilie die Hauptperson. Doch hier zeigte Gerd Oellermann in Planung und Ausführung, was er und seine "Lieblinge" die Hemerocallis mit entsprechenden Begleitpflanzen doch alles auf die Beine (oder besser in 's Beet) stellen können.

Wie gefällt Euch zum Beispiel diese Kombination aus Hemerocallis x 'Ochroleuca' und Lysimachia ciliata 'Firecracker'?

Die Beete sind nicht nur farblich hervorragend komponiert, auch die Höhenstaffelungen mit herrlichen Gräsern gezaubert, bringen Schwung und Leichtigkeit in die Pflanzungen.

 Hemerocallis 'Ribbonette' (Lenington 1951)

Während die Heuchera im Vordergrund die Pflanzung "erdet", tanzen ihr Taglilien und Verbena bonariensis auf dem Kopf herum. Miscanthus sinensis 'Variegatus' fängt die wilde Gesellschaft optisch wieder ein.

Wunderschöne Stauden wie das Erigeron 'Sommerneuschnee' sind unkomplizierte Begleiter in den Beeten.

 

Wie herrlich sind doch diese Staudenbeete anzuschauen. Da war einfach ein Könner am Werk. Mein Foto plapperte in einer Tour, er konnte nicht genug Aufnahmen einfangen. 



Hemerocallis 'Helle Berlinerin' (Tamberg1981)! Wie Gerd Oellermann ist auch der Züchter dieser Taglilie, Herr Tamberg in der GdS. Diese Beiden haben immer ein offenes Ohr für Fragen die Hemerocallis betreffen.

Nachdem wir uns in einem Biergarten in der Nähe des "Lauterntopfs" gestärkt haben und im Garten von Gerd Oellermann noch etwas für unser Hüftgold beim gemeinsamen Kaffeetrinken getan haben, öffnen sich die Kofferräume unserer Autos und mutieren bei so manchem zu einem kleinen fahrbaren Taglilienbeet. Glücklich fahre ich nach Hause, reicher an Pflanzen und reicher an Wissen und mit dem guten Empfinden wieder ein paar sehr liebenswerte Gleichgesinnte kennengelernt zu haben. Vielen Dank Gerd Oellermann:
"you made my day"! 
Sollten einige von Euch nun auch tagliliensüchtig geworden sein, so könnt Ihr gerne unter dem Link unten mehr über den Ulmer Tagliliengarten erfahren.

                       http://www.taglilie.net/




Mittwoch, 8. August 2007

Abschied von den Taglilien






Gestern waren in meinem Hemerocallis-Beet noch drei Nachzügler-Knospen zu sehen. Das war für mich Anlaß meine Fotos vom Juli durchzuforsten und einige noch einmal zusammenzustellen. Ich will den Spaziergang durch den Taglilien-Weg ein letztes Mal in diesem Jahr fotographisch machen als dankeschön für diese zuverlässigen, wenig arbeitsaufwendigen Pflanzen.

Sie mögen es ja gerne, einfach in Ruhe gelassen zu werden. Während andere regelmäßig geteilt werden wollen, um ihre Blütenfülle zu erhalten, hält die bescheidene Taglilie nichts von solchen Gärtner-Spielereien (die in der Regel meistens schön ins Kreuz gehen). Ein bißchen Hühnermist im Frühjahr nimmt sie dagegen gerne.

Für mich ist sie eine herausragende Blüte im Juli. Während die Krokusblüte im März konkurrenzlos ist, der April die Tulpen zum Leuchten bringt, im Mai die Bart-Iris dominieren, der Juni eindeutig der Rose gehört, ist der Juli für die Taglilie reserviert. Allerdings, sie muß die Blütenkrone mit den Phloxen teilen, die in einer ganz anderen Farbpalette auf der anderen Seite auftrumpfen. Die Phlox-Arten werden auch noch bis weit in den August hinein weiterblühen.

Trotzdem ist für mich die Taglilienblüte immer etwas besonders schönes. Die glut- und temperamentvollen Farben entsprechen vielleicht auch meinem Charakter, deshalb wurde dieses eine Beet für die Gelb-Orange-Töne reserviert, die sonst in meinem Garten eher spärlich vertreten sind.





Dienstag, 3. Juli 2007

Der "Hemerocallis"-Weg

Vor sieben Jahren hatte ich das große Glück, in Potsdam/Caputh den Insel-Gärtner, Herrn Altmann kennenzulernen. Der alte Herr, einst ein Förster-Schüler, sprühte vor Energie und ungebrochener Schaffenskraft. Er stieg mit uns sein teilweise steiles Hanggrundstück hinauf und hinunter, immer erklärend, alle botanischen Bezeichnungen parat und während wir, die wir wohl im Schnitt so an die 30-40 Jahre jünger waren, irgendwann schwächelten, erklärte Herr Altmann, daß er diese Konifere, die auf die er deutete war 3 m hoch, im nächsten Jahr versetzen müßte. Es war wirklich ein Erlebnis diesen leidenschaftlichen Gärtner kennenzulernen. Natürlich hatte er von seinem Mentor Karl Förster die Liebe zu den Stauden übernommen. Eine besonders geschätzte Art war die Taglilie. Er hatte ihr einen ganzen Weg gewidmet. Dahinter ruhige Immergrüne, die wie eine Theaterkulisse den großen Auftritt der Hemerocallis
betonten. Und die harmonische Anordnung der Farben, der Duft, der uns auf dem Weg begleitete. Der Duft? Nein, die Düfte, so vielfältig wie die länglichen, runden, gerüschten, gefüllten, zweifarbigen, kleinen, beliebig fortsetzbaren Attribute der einzelnen Blüten.

Das will ich auch! Haben möcht! Die Anthropologie lehrt uns - wir begannen als Sammler, dann wurden wir dazu noch Jäger und später wurden wir seßhaft und legten die ersten zaghaften Nahrungs-Pflanzungen eingezäunt vor wilden Tieren an. Der Nutz-Garten war geboren. Bin ich
ein Neandertaler? Ein Ur-Mensch? Ich bin zwar zuerst Jäger (Gärtnereien, Pflanzkataloge sind mein Revier), dann Sammler (kann man aus einer traumhaften Gärtnerei ohne Pflanze herausgehen?) und dann kommt alles in meinen umzäunten Garten. Wie beruhigend, manche Dinge ändern sich nur unwesentlich!

Ich besitze jetzt einen eigenen Taglilien-Weg, mit einem guten Dutzend verschiedener Hemerocallis, die mich an Herrn Altmann erinnern, der leider inzwischen verstarb. Und ich frage mich manchmal, wenn ich zwischen meinen Hemerocallis stehe, ob es der Insel-Gärtner noch geschafft hat, die 3 m Konifere zu versetzen?

"Haben möcht"-Syndrom