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Mittwoch, 8. August 2007

Abschied von den Taglilien






Gestern waren in meinem Hemerocallis-Beet noch drei Nachzügler-Knospen zu sehen. Das war für mich Anlaß meine Fotos vom Juli durchzuforsten und einige noch einmal zusammenzustellen. Ich will den Spaziergang durch den Taglilien-Weg ein letztes Mal in diesem Jahr fotographisch machen als dankeschön für diese zuverlässigen, wenig arbeitsaufwendigen Pflanzen.

Sie mögen es ja gerne, einfach in Ruhe gelassen zu werden. Während andere regelmäßig geteilt werden wollen, um ihre Blütenfülle zu erhalten, hält die bescheidene Taglilie nichts von solchen Gärtner-Spielereien (die in der Regel meistens schön ins Kreuz gehen). Ein bißchen Hühnermist im Frühjahr nimmt sie dagegen gerne.

Für mich ist sie eine herausragende Blüte im Juli. Während die Krokusblüte im März konkurrenzlos ist, der April die Tulpen zum Leuchten bringt, im Mai die Bart-Iris dominieren, der Juni eindeutig der Rose gehört, ist der Juli für die Taglilie reserviert. Allerdings, sie muß die Blütenkrone mit den Phloxen teilen, die in einer ganz anderen Farbpalette auf der anderen Seite auftrumpfen. Die Phlox-Arten werden auch noch bis weit in den August hinein weiterblühen.

Trotzdem ist für mich die Taglilienblüte immer etwas besonders schönes. Die glut- und temperamentvollen Farben entsprechen vielleicht auch meinem Charakter, deshalb wurde dieses eine Beet für die Gelb-Orange-Töne reserviert, die sonst in meinem Garten eher spärlich vertreten sind.





Dienstag, 3. Juli 2007

Der "Hemerocallis"-Weg

Vor sieben Jahren hatte ich das große Glück, in Potsdam/Caputh den Insel-Gärtner, Herrn Altmann kennenzulernen. Der alte Herr, einst ein Förster-Schüler, sprühte vor Energie und ungebrochener Schaffenskraft. Er stieg mit uns sein teilweise steiles Hanggrundstück hinauf und hinunter, immer erklärend, alle botanischen Bezeichnungen parat und während wir, die wir wohl im Schnitt so an die 30-40 Jahre jünger waren, irgendwann schwächelten, erklärte Herr Altmann, daß er diese Konifere, die auf die er deutete war 3 m hoch, im nächsten Jahr versetzen müßte. Es war wirklich ein Erlebnis diesen leidenschaftlichen Gärtner kennenzulernen. Natürlich hatte er von seinem Mentor Karl Förster die Liebe zu den Stauden übernommen. Eine besonders geschätzte Art war die Taglilie. Er hatte ihr einen ganzen Weg gewidmet. Dahinter ruhige Immergrüne, die wie eine Theaterkulisse den großen Auftritt der Hemerocallis
betonten. Und die harmonische Anordnung der Farben, der Duft, der uns auf dem Weg begleitete. Der Duft? Nein, die Düfte, so vielfältig wie die länglichen, runden, gerüschten, gefüllten, zweifarbigen, kleinen, beliebig fortsetzbaren Attribute der einzelnen Blüten.

Das will ich auch! Haben möcht! Die Anthropologie lehrt uns - wir begannen als Sammler, dann wurden wir dazu noch Jäger und später wurden wir seßhaft und legten die ersten zaghaften Nahrungs-Pflanzungen eingezäunt vor wilden Tieren an. Der Nutz-Garten war geboren. Bin ich
ein Neandertaler? Ein Ur-Mensch? Ich bin zwar zuerst Jäger (Gärtnereien, Pflanzkataloge sind mein Revier), dann Sammler (kann man aus einer traumhaften Gärtnerei ohne Pflanze herausgehen?) und dann kommt alles in meinen umzäunten Garten. Wie beruhigend, manche Dinge ändern sich nur unwesentlich!

Ich besitze jetzt einen eigenen Taglilien-Weg, mit einem guten Dutzend verschiedener Hemerocallis, die mich an Herrn Altmann erinnern, der leider inzwischen verstarb. Und ich frage mich manchmal, wenn ich zwischen meinen Hemerocallis stehe, ob es der Insel-Gärtner noch geschafft hat, die 3 m Konifere zu versetzen?

"Haben möcht"-Syndrom