Freitag, 14. September 2007

Normandie 1: Chateau de Miromesnil

D i e N O R M A N D I E

Chateau de Mirosmesnil

Heute möchte ich eine neue lose Reihe beginnen. Eine Gartenreisen-Serie, die Euch aus verschiedenen Ländern Gärten, Parks und Herrenhäuser vorstellen soll. Ich will weder chronologisch, noch nach geographischen Gesichtspunkten berichten, sondern bunt gemischt jeweils den Garten zeigen, der mich gerade beschäftigt. Anhand der Selektionsmöglichkeit der Label könnt Ihr Euch dann selber eine Reise nach England, Holland, China, in die Schweiz oder nach Italien zusammenstellen. Es gibt auch deutsche Gärten und botanische Gärten zu sehen, anfangen will ich aber mit der Normandie. Wenn ich ein Land neu beginne, stelle ich es kurz vor, ehe der Bericht über den ersten Garten folgt. Dieser allgemeine Teil wird dann bei künftigen Gärten aus der gleichen Region wegfallen.

Dänische und norwegische Normannen eroberten Ende des 9. Jahrhunderts dieses Gebiet. Die Landschaft wurde in Bauweise, Mundart und Ortsnamen geprägt von den normannischen Vasallen der französischen Krone. Zeitweise hatten in der Normandie auch die Engländer das Sagen. Auch da gibt es viele Bezugspunkte, gerade die Gärten unterliegen oft englischen Einflüssen.

Das Klima ist ozeanisch, ausgeglichen mit hohen Niederschlagsmengen und bietet beste Voraussetzungen für Viehwirtschaft, Ackerbau und die Gartenkultur. Die teils flache, teils hügelige Landschaft hat auch einen ausgedehnten Obstanbau. Von hier stammen auch die Äpfel, aus denen der Calvados gewonnen wird.

In den Zentren Caen und Rouen sind die politischen Verwaltungen für die ca. 3 Millionen Einwohner. Dort finden sich auch die kulturellen Höhepunkte der Region, so wie hier die Kathedrale von Rouen.

Begleitet mich bitte nach Chateau de Miromesnil (10.08.2005)
ouvert du 1. avril au 1. novembre tous les jours de 14 h à 18 h
76550 Tourville-sur-Arques
Tel. 0235850280 Fax 0235855505
www.chateaumirosmesnil.com

Miromesnil ist seit mindestens 1538 bewohnt. Aus diesen Anfängen existiert nur noch eine Kapelle. Das heutige Haus ist aus der Blütezeit des französischen Barock und entstand 1645. Durch die roten Ziegel mit der Sandsteineinrahmung wirkt das Haus recht bodenständig. Der berühmteste Hausbewohner war der Schriftsteller Guy de Maupassant, er wurde 1850 hier geboren.

Mein Haupt-Augenmerk galt aber nicht dem Haus, sondern dem Potagère. Die Gräfin Simone de Vogüé ließ in den 50er Jahren den Gemüsegarten neu bepflanzen. In dieser Zeit entdeckte man wieder die Konzeption der alten Klostergärten, den Officinalien, in der es keine Trennung von Zier- und Nutzpflanzen gab.
Die klösterlich abgeschiedene, mit den vielen bunten Blumen doch sehr heitere Atmosphäre, wird durch eine rechteckig umlaufende Mauer noch betont. Diese wird von vielen Rosen und Clematis als Rankhilfe benützt.

Das Konzept ist einfach und klar, die Gartenwege werden von blühenden Stauden bevölkert und die Flächen gehören den Kräutern und Gemüsen.

Die Pracht der Cosmeen, Dahlien und Gladiolen, die auch bei uns jetzt ihre Hoch-Zeit hat, bewog mich dazu, gerade mit diesem Garten zu beginnen.

Stellt Euch vor, Ihr sitzt auf einer Bank im Potagère von Miromesnil, die Grillen zirpen, die Augen weiden sich an der Farbenpracht der Blüten und Blätter. Die Vielfalt läßt einen staunen und die warme Mauer im Rücken schafft dazu ein wunderbares Gefühl von Geborgenheit. Hochsommer in seiner angenehmsten Form, unterstrichen von den hoch fliegenden Schwalben, die man leise das Lied auf die Sonne singen hört.

Schlendern wir einfach noch ein bißchen durch den heimeligen Garten. Die Zwiebeln sind exakt aufgeschnürt am Boden, der Kohl zeigt phantastische Farben von Gelb bis Dunkelrot und Violett. Die Vogelscheuche bringt einen zum Schmunzeln.

Und immer wieder Dahlien, Dahlien, Dahlien.

Es lohnt sich auch ein Besuch der Kapelle und des Hauses. Viele Erinnerungen an den berühmten Schriftsteller und eine gut erhaltene, komplette Einrichtung ist zu sehen. Nicht viele Herrenhäuser haben den II. Weltkrieg so unversehrt, einschließlich dem Mobiliar überstanden. Die prachtvollen Blumensträuße und Gestecke sind mir noch gut in Erinnerung geblieben.

Das Herrenhaus liegt mitten in einem herrlichen Buchenwald. Ein Besuch des Landschafts-Parks beginnt unterhalb der großen Terrasse und führt zu einer wunderschönen über 200 Jahre alten Libanon-Zeder.

Kommentare:

SchneiderHein hat gesagt…

Na dann sind wir ja mal gespannt welche Gärten Du uns hier vorstellst. Bücher oder gar Reiseführer haben wir ja reichlich über Gärten in Europa, Japan und weltweit, aber erlebt haben wir bis jetzt nur Bormarzo & Villa Este, Uetersen & Sangerhausen und ein paar Gärten in Hannover.
Wir freuen uns auf mehr!
Liebe Grüße Silke & Wolfgang

Britta hat gesagt…

Liebe Wurzerl, das sind aber auch stimmungsvolle Bilder, teilweise erinnern sie mich an meinen Urlaub in St. Peter Port auf der Insel Guernsey...Romantik pur, einfach traumhaft.

Wünsche dir einen angenehmen Start ins Wochenende, liebe Grüße, Britta

Margit hat gesagt…

Schön! Besonders erstaunt und erfreut mich die Bepflanzung, weil soviel Gemüse eingebunden ist. Das ist in solch großen Schaugärten doch eher unüblich, oder? Macht aber klar, dass auch prächtige Kohlsorten ihre ästhetischen Reize haben!
Danke für die Reise, ich freu mich schon auf die nächste!
Liebe Grüße, Margit

Hillside Garden hat gesagt…

Herrliche Bilder! Gärten in Frankreich habe ich noch nie besucht, aber in Rouen war ich schon mal eine Nacht zum Schlafen, direkt an der Kathedrale. Es war wunderschön, das Essen auch. Wenn ich mal eine Frankreich Gartentour mache, rufe ich dich zuvor an.

Al

Miyelo hat gesagt…

Danke für diese Reise nach Rouen und vor allem dafür, dass du alles so ausführlich und genau erklärst. Diese Kombination aus Stauden, Gemüse und Kräutern finde ich gut. Ich habe mir inzwischen auch schon wieder überlegt, dass mich das Kräuterbeet von der Optik her nicht überzeugt und ich doch lieber Kräuter und Blumen kombinieren möchte. Du hast eine tolle Art zu erzählen, die einen direkt in den normanischen Sommer hineinzieht.
Ich wünsche dir ein schönes Wochenende,
Elke

Birgit hat gesagt…

Sehr interessant und vor allem lehrreich Dein Bericht. Außerdem fand ich die Kombination von Gemüse,Kräutern und Stauden schon immer interessant. Wunderschöne Fotos. Freue mich auf weitere Berichte.
LG Birgit

Helens Blog hat gesagt…

Hallo Wurzerl,

da ich es nicht kenne finde ich es
wunderschön und sehr lehrreich!!

Ich bewundere dich immer wieder... wie
gut du es immer rüberbringst!!
Dankeschön!!

Freue mich schon auf weitere und
wünsche dir ein schönes erholsames
Wochenende
Helen

Lis hat gesagt…

Klasse Idee von dir, so spare ich mir die teuren Reisekosten *ggg*
In der Normandie war ich auch schon mal, allerdings am Meer in St. Marie du Mont. Gärten habe ich damals in der kurzen Zeit leider keine besichtigen können, aber ich kann es ja jetzt hier nachholen.
Danke für's zeigen

stadtgarten hat gesagt…

Hablas muy bien el castellano, Wurzerl!
Deine Idee mit den Gärten aus aller Herren Länder ist super und ich freue mich schon auf weitere.
Die Bilder sind wunderschön und geben ein bißchen Sommergefühle zurück (obwohl ja heute hier auch super-schönes Wetter war).
Irgendwie denkt man bei Gartenreisen immer nur an England und gar nicht daran, dass es anderwo auch phantastische Gärten gibt.
Vielen Dank für die schönen Eindrücke und eine schöne Woche,
LG, Monika

Margrit hat gesagt…

Liebe Wurzerl,
das sind wundervolle Fotos. Das erste erinnert mich stark an die englische oder irische Küste. Dort sieht es ähnlich aus.
Dein Bericht ist sehr lehrreich und ich freue mich auf weitere.
Viele Grüße
Margrit

HaBseligkeiten hat gesagt…

Letztes Jahr waren wir in der Normandie, den Garten haben wír noch nicht entdeckt, dafür aber leckeren Calvados und fettfeisten Käse (nach dem Urlaub habe ich merklich zugenommen...?!)
Die Normandie wollen wir auf jeden Fall nochmals bereisen es ist eine herrliche Gegend die alle Sinne anspricht. Deinen Gartentipp werde ich mir merken.
Die cremefarbene Dahlie ist wunderschön, weißt Du denn wie die Sorte heißt?
Vielen Dank für die schönen Eindrücke,
liebe Grüße
Heidi