Dienstag, 14. Juli 2015

GdS-Projekt: "Paeonien-Landgarten Frank"

Nach den Paeonien-Bildern im letzten Post zeige ich Euch heute, wo ich diese Aufnahmen gemacht habe und erzähle Euch ein wenig von der Gesellschaft der Staudenfreunde e.V. und dem Netzwerk Pflanzensammlungen.

Dieses Schild empfängt einen Besucher im Landgarten von Reinhilde Frank in Heppenheim. Seit dem Tod der langjährigen Regionalgruppenleiterin und Fachgruppenleiterin für Paeonien betreut die GdS den Garten. 
Nicht nur Paeonia lactiflora "Le Charme" wurde von Frau Frank kultiviert. Im Laufe der Zeit sammelten sich über 120 verschiedene Paeonien und eine herrliche Begleitpflanzung an.
Reinhilde Frank wurde auch als Buchautorin für Paeonien, Zwiebelpflanzen und andere Veröffentlichungen bekannt. So ist es nicht verwunderlich, dass man z.B. am Eingangstor von einer mächtigen Cedrus deodara begrüßt wird. 
Seit 2010 betreut Christine Bahlo mit Gatte Ekkehard den langgezogenen 1500 qm großen Garten. Immer wieder schleppen die Beiden neue Pflanzen zu ihrem Sorgenkind. 
"Im Großteil des Gartens lagen die Brombeeren in mehreren Schichten übereinander, dazwischen 3 m hohe Brennnesseln!" So beschreibt mir Chr. Bahlo den Zustand des Gartens zum Zeitpunkt der Übernahme.
Vor allem kleine Stauden waren für immer verloren, aber es gibt Pflanzpläne von Frau Frank, es gibt den Willen des Ehepaares Bahlo, zu retten was zu retten ist und zu ergänzen was irgendwie möglich ist. Natürlich haben es viele starke Sträucher, Bäume und Rosen geschafft, sich dem Versuch der Natur zu widersetzen, alles unter Brombeeren und Brennesseln zu begraben. So wie oben die herrliche Buddleja alternifolia.
Auch die Rosen, vor allem die Kletterer haben sich einfach in den Himmel gereckt und so selbst gerettet. Unermüdlich wird versucht, aus der Wildnis wieder das Kleinod von Frau Frank herauszuarbeiten.
Im Sommer 2012 dann ein herber Rückschlag, der Buchsbaumzünsler hatte ganze Arbeit geleistet, vor allem im Küchengarten und bei Wegeinfassungen.
Rosa "May Queen" oben und Rosa "Mozart" unten, blieben unbeeindruckt. 

Im Winter 2013 kommt dann der Frontalangriff durch Wildschweine, der Garten ist durchgewühlt und würde man nicht "Bahlo" heißen, dann wäre spätestens jetzt das Aus für diesen historischen Garten gekommen. 
Aber die beiden Idealisten kämpfen weiter. Als ich  Mitte Juni den Landgarten in Heppenheim besuchte, lachten mich die roten Kirschen aus dem Obstgarten an. 
Während die Rosen ihre erste Hochblüte anstreben, sind die letzten späten Paeonien, die ich Euch im Post davor gezeigt habe am Verblühen. 
Es gibt auch einmal blühende Ramblerrosen wie die "Veilchenblau". 
Rosa "Schneewittchen" findet sich auch noch aus dem Altbestand.
Wenn man genau hinschaut, sieht man noch viele total verunkrautete Stellen, wie leid es mir doch tut, dass ich 480 km von diesem verwunschenen Platz wegwohne. 
Weitere helfende Hände täten dem Projekt sehr gut. Wenigstens eine  Helferin aus der Regionalgruppe Ffm der GdS kommt seit einem halben Jahr öfter einmal mit zum fröhlichen Brombeerbekämpfen! 
Es ist zwar nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber es bedeutet auch Anerkennung und Aufmunterung für das unermüdlich im Garten tätige Ehepaar. 
Manchmal ist Christine Bahlo völlig baff, denn auch 2015 hat sie wieder verloren geglaubte Paeonien im Garten wiederentdeckt. Was ist das nur für eine kämpferische Pflanzenfamilie! Oben zu sehen: Paeonia "Do Tell".
Wenn man die Rosen, aber vor allem die noch so spät blühenden Paeonien betrachtet, dann kann man doch verstehen, dass man dieses Erbe hüten muss, oder nicht?!
Leider haben historische Gärten bei uns nicht den Schutz und die Lobby eines National Trust wie in Großbritannien. So ist es wirklich nur der Initiative der GdS, allen voran Frau Bahlo zu verdanken, dass hier um das Überleben eines Gartens gekämpft wird.
Rosa russeliana, was für herrliche Farbtöne diese Rose doch hat.
Am kleinen Wasserbecken geben sich Seerosen und Teichfrösche ein Stelldichein. 
In den Buchsquadraten wachsen inzwischen viele Hemerocallis, sie beginnen jetzt zu blühen, wenn die Paeonien schon vom nächsten Frühjahr träumen und die Rosen sich auf ihren zweiten Spätsommer-Auftritt vorbereiten. 

Das Ehepaar Bahlo ist auch unterstützender Partner beim Netzwerk Pflanzensammlungen. Dieses möchte nun gerne, dass es von der Paeoniensammlung, vor allem von den Züchtungen von R. Frank eine Dublettensammlung geben wird. Aber trotz dieser Partner und der Unterstützung durch die GdS, den Kampf gegen Brennesseln, Brombeergestrüpp, Buchsbaumzünsler und die Wildschweine,  führen die Bahlos bis heute doch größtenteils alleine. Ich wiederhole, wie schade, dass ich so weit entfernt wohne von Heppenheim. So bleibt mir nichts anderes übrig, als meine große Hochachtung vor diesem Engagement mit diesem Post zu zeigen. 
Aber vielleicht gäbe es ja noch eine andere praktische Möglichkeit?! Wie wäre es, wenn wir wenigstens einmal im Frühjahr und einmal im Herbst eine "Fröhliche Hilfsaktion" starten, bei der Ihr Pflanzenbegeisterten mit anpackt? Sich im Landgarten Frank zu engagieren, bedeutet LERNEN für den eigenen Garten. Wer nicht allzuweit entfernt wohnt, Interesse hat, kann das gerne hier im Kommentar hinterlassen. Ich bin gerne bereit, etwas zu organisieren und dann komme ich natürlich auch mit!
 











Kommentare:

SchneiderHein hat gesagt…

Liebe Renate,
das sind wirklich interessant Bilder. Und im dritten Anlauf habe ich es jetzt geschafft Deinen Post bis zum Ende zu lesen. Morgens war ich zu spät dran und habe nur Bilder geschaut, abends habe ich nachgesehen, dass Heppenheim von uns auch etwa 4 Stunden entfernt liegt, und eben habe ich mir nochmals Bilder & Text zu Gemüte geführt …
Hier zeigt sich wahrer Kampfgeist von Mensch & Natur. Habe ich es überlesen, oder fehlt die Info, wie lange der Garten zuvor brach lag, so dass Brombeeren & Co den Garten so sehr erobern konnten?

Nun ist mir auch klar, dass Du der Meinung bist, dass sich Päonien bei uns behaupten könnten. Nur handelt es sich hier ja um gut eingewachsene Exemplare. Ich bin schon daran gescheitert sie bei uns am Leben zu erhalten. Wahrscheinlich, da sich Staudenpfingstrosen und ständiges mulchen wirklich nicht vertragen. Jedenfalls nachdem mir 3 Stauden an 2 Standorten recht bald eingegangen sind und eine geerbte jedes Jahr immer nur 1 Blatt zeigt , möchte ich das keinen weiteren Pflanzen antun. Zumal dieser Garten, den Du hier zeigst, trotz des stellenweise noch vorhandenen Wildwuchses immer noch sonniger erscheint, als es bei uns der Fall ist. Und meinen kleiner, jetzt sonnigerer Bereich hinter dem Hochwald ist nun für Lenzrosen, Rosen und Storchschnäbel verplant, für die es dann schon bald wieder ziemlich eng wird ;-)

Schön, dass hier der Versuch unternommen wird einen Garten mit viel Kampfgeist & Energie zu erhalten. Gerade bei einem wohl stellenweise recht formalen Garten mit Buchshecken stelle ich mir das besonders schwierig vor. Und da mein Garten ja nur etwas über 630 qm groß ist, kann ich gut verstehen, wie schwierig es ist diesen Garten zu befreien und gegen verschiedenste Widrigkeiten immer wieder anzugehen. Ich scheitere fast jedes Jahr bereits im Frühjahr schon am Weg zum Beet der vergessenen Gemüse an der Ostgrenze. In diesem Jahr war ich bis jetzt noch gar nicht bis zum Ende des Gartens vorgedrungen. Aber bei mir sind es auch nach wie vor das schwer einschätzbare Zeckenaufkommen in Teilbereichen des Gartens, das mich häufig davon abgehalten hat gegen den allzu extremen Wildwuchs dort anzukämpfen. Das hat mein Gartenverhalten im Laufe der Jahre leider erheblich verändert und jegliche Spontanität der ersten Jahre extrem eingeschränkt. Und so muss ich auch bei uns kleinere Brombeerflächen 1x im Jahr im Winter roden, damit ich nur den Wildwuchs im Garten habe, der in mein Konzept passt ;-)

Ein wirklich interessanter Post und ich würde es spannend finden, wenn Du weiterhin über diesen Garten berichtest.
LG Silke

Hexenrosengarten hat gesagt…

Hallo liebe Renate,
erst jetzt habe ich mir den Post über den Landgarten Frank angesehen.
Ich hoffe wirklich, es finden sich Begeisterte mit genügend Zeit, dieses schöne Fleckchen zu pflegen.
Die Päonienvielfalt ist wirklich begeisternd!
Leider bin ich zeitmäßig bereits mit unserem Haus und Garten vollauf beschäftigt, sodass unser eigener Garten meist wilder aussieht als mir lieb ist. Da bin ich froh, wenn mir mal ein Sohn hilft...
Die Veilchenblau und die Russeliana finde ich auch ganz bezaubernd. Wenn Veilchenblau blüht bin ich immer hin und weg vom Duft. Nur leider ist die Blütezeit doch schon sehr kurz...

PS: Leider hat die eine Hornisse nichts vollbracht, die Wespen nerven früh wie nie...
Und die Jaqueline finde ich auch ganz besonders bezaubernd....die Kletterrose Summerwine würde Dir bestimmt auch gefallen, sie hat auch so wunderschöne Staubgefäße!
Ein schönes Wochenende noch und viele liebe Rosengrüße
Christine